top of page

Tierversuchsfreie Kosmetik: Was bedeutet das wirklich?


Tierversuchsfreie Kosmetik heute

„Tierversuchsfrei“ – kaum ein Begriff begegnet uns auf Kosmetikprodukten so häufig. Doch was steckt eigentlich dahinter? Werden wirklich keine Tiere eingesetzt? Und wie werden Cremes, Shampoos oder Make-up dann überhaupt getestet? In diesem Interview räumt Rolf Stehr mit Mythen auf und erklärt verständlich, wie tierversuchsfreie Kosmetik heute funktioniert.



Früher waren Tierversuche in der Kosmetik üblich – warum eigentlich?


Rolf Stehr: Ganz einfach: Es gab lange keine Alternativen. Tierversuche galten als der einzig mögliche Weg, um Risiken wie Hautreizungen oder Giftigkeit einzuschätzen. Heute wissen wir, dass diese Tests nicht nur ethisch problematisch waren, sondern auch wissenschaftlich ihre Grenzen hatten.



Was hat den Wandel möglich gemacht?


Rolf Stehr: Ein Zusammenspiel aus gesellschaftlichem Umdenken und enormen wissenschaftlichem Fortschritt. Wir können heute mit menschlichen Zellmodellen, moderner Software und freiwilligen Testpersonen arbeiten – präziser, sicherer und ohne Tierleid.



Wie sieht die Sicherheitsprüfung tierversuchsfreier Kosmetik heute konkret aus?


Kein Tierversuche

Rolf Stehr: Es gibt nicht die eine Methode, sondern ein ganzes System:


  • In-vitro-Tests, also Untersuchungen an menschlichen Zellen im Labor


  • Rekonstruierte menschliche Haut, die echter Haut erstaunlich nahekommt


  • Computersimulationen, die auf großen Datenmengen basieren


  • Patch-Tests mit freiwilligen Probanden, immer unter ärztlicher Aufsicht


All diese Methoden ergänzen sich sinnvoll.



Immer wieder hört man, dass sogar mit Muscheln getestet werde. Was ist da dran?


Rolf Stehr: Das ist ein klassisches Missverständnis. Muscheln werden in der Umweltforschung eingesetzt, etwa um die Wasserqualität zu überwachen. Für Kosmetiktests ist das in der EU verboten. Auch Wirbellose gelten rechtlich als Tiere – sie haben in der Kosmetikprüfung nichts zu suchen.



Wie klar ist die Gesetzeslage in der EU?

Tierversuchregeln EU

Rolf Stehr: Sehr klar. Seit 2013 sind Tierversuche für Kosmetikprodukte verboten – ebenso der Verkauf von Kosmetik, die an Tieren getestet wurde. Die Alternativmethoden sind international anerkannt, unter anderem durch die OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung).



Trotzdem liest man online immer wieder, grosse Konzerne würden weiterhin Tierversuche machen. Warum hält sich diese Behauptung so hartnäckig? 


Rolf Stehr: Weil oft verschiedene Dinge in einen Topf geworfen werden. Kosmetikrecht, Chemikalienrecht, frühere Regelungen in anderen Ländern oder sogar ganz andere Unternehmensbereiche. Das wird dann stark vereinfacht – und bleibt hängen.



Was bedeutet das konkret für Konsumenten?


Rolf Stehr: Nach EU-Recht ist Kosmetik eindeutig tierversuchsfrei. Manche Influencer oder NGOs bewerten jedoch den gesamten Konzern oder vergangene Praktiken. Das ist eine persönliche oder ethische Einordnung – aber keine Aussage darüber, wie Kosmetik heute in der EU getestet wird.



Warum sieht man keine Werbung, dass Rolf Stehr keine Tierversuche macht oder machen lässt?


Rolf Stehr: Tierversuchsfreie Kosmetik ist kein Trend oder Marketing-Trick, sondern das Ergebnis moderner Wissenschaft, klarer Gesetze und ethischer Verantwortung. Wer sich informiert und genauer hinschaut, kann bewusst entscheiden – ohne sich von Schlagzeilen über Halbwahrheiten verunsichern zu lassen.

 





 
 
 

Kommentare


bottom of page